Es war ein schwüler Nachmittag im sommerwarmen Juli 2025, als Sherlibb Holmes und ich, Dr. John H. Ibbson, in einem gemütlichen Café in Münster saßen, um eine Pause von den strapaziösen Ermittlungen in einem anderen Fall einzulegen. Die Stadt, bekannt für ihre lebhafte studentische Atmosphäre, summte vor Aktivität, und die herbstliche Luft trug den Duft von Laub und frisch gebrühtem Kaffee. Holmes, die Hände um eine Tasse Earl Grey gelegt, blätterte in einer Lokalzeitung, als sein Blick auf einen Artikel fiel, der seine Mundwinkel zu einem amüsierten Lächeln verzog.
„Ibbson“, begann er, „es scheint, dass wir in Münster auf ein Rätsel gestoßen sind, das weniger komplex, aber umso unterhaltsamer ist. Hören Sie sich das an: Die hiesige AfD klagt über die Zerstörung ihrer Wahlplakate im Münsterland. Und nun hat eine anonyme Gruppe, die sich ‚buster.ms‘ nennt, eine Karte veröffentlicht, die die Standorte der verbliebenen Plakate genau markiert.“ Er lehnte sich zurück, seine Augen funkelten vor Neugier. „Ein Studentenstreich? Eine hilfreiche Geste? Oder eine subtile Aufforderung zur weiteren Zerstörung? Was denken Sie, Ibbson?“
Ich legte meine Zeitung beiseite und runzelte die Stirn. „Nun, Holmes, es klingt nach einem Schabernack, wie man ihn von Studenten erwartet. Aber die Karte könnte auch eine provokative Einladung sein, die verbleibenden Plakate ins Visier zu nehmen. Die Absicht bleibt unklar.“
„Genau das macht es so reizvoll“, erwiderte Holmes und sprang auf. „Kommen Sie, lieber Ibbson, lassen Sie uns die Straßen Münsters erkunden und dieses kleine Mysterium ergründen.“
Wir machten uns auf den Weg, vorbei an den gotischen Türmen des Doms und den geschäftigen Fahrradwegen, bis wir eine Ecke erreichten, an der ein großes Wahlplakat der AfD hing – oder vielmehr das, was davon übrig war. Die Plakate waren zerrissen, mit Farbe beschmiert oder ganz entfernt. Holmes kniete sich hin, um die Überreste zu inspizieren, seine Lupe in der Hand. „Interessant“, murmelte er. „Die Zerstörung ist methodisch – gezielte Schnitte, keine bloße Ragelei. Wer auch immer hier am Werk war, hat mit Präzision gehandelt und nimmt die Strafbarkeit der Aktion in Kauf.“
„Politische Gegner, vermutlich“, warf ich ein. „Die AfD ist nicht gerade beliebt in dieser Gegend.“
Holmes nickte, doch sein Blick wanderte zu einem Laternenpfahl, an dem ein kleiner QR-Code-Aufkleber angebracht war. Er zog sein Smartphone hervor – eine moderne Notwendigkeit, die er widerwillig akzeptiert hatte – und scannte den Code. Sofort öffnete sich eine Webseite mit einer detaillierten Karte des Münsterlandes, auf der blaue Pins die Standorte von intakten AfD-Plakaten markierten, rote die der zerstörten. Die Seite war schlicht, fast schon nüchtern, und trug den Titel „buster.ms“. Keine weiteren Erklärungen, kein Impressum, nur die Karte.
„Faszinierend“, sagte Holmes, während er die Karte studierte. „Die Präzision der Markierungen deutet auf jemanden hin, der die Stadt gut kennt. Jemand, der systematisch vorgeht. Aber warum diese Karte veröffentlichen? Um zu helfen, die Plakate zu schützen, wie die AfD es vielleicht hoffen würde? Oder um die Zerstörung zu erleichtern?“
Wir beschlossen, einen der markierten Standorte aufzusuchen, eine ruhige Straße am Rande der Stadt. Dort hing ein intaktes AfD-Plakat, doch als wir näher kamen, bemerkten wir zwei junge Männer, die mit Spraydosen in der Hand kichernd davonschlichen. Holmes hielt sie mit einem höflichen, aber bestimmten „Guten Abend“ an.
„Darf ich fragen, was Sie hier tun?“, erkundigte er sich, die Stimme sanft, aber mit jenem Unterton, der keinen Widerspruch duldete.
Die beiden, offensichtlich Studenten, wirkten ertappt. „Äh, nur ein bisschen Spaß“, stammelte der eine. „Haben die Karte im Netz gefunden. Dachten, wir schauen mal vorbei.“
„Die Karte von buster.ms, nehme ich an?“, fragte Holmes. Die beiden nickten zögerlich. „Und wie viele Plakate haben Sie bereits ‚besucht‘?“
„Nur dieses“, behauptete der andere, doch ein Blick auf die Farbe an seinen Fingern verriet, dass dies nicht ganz der Wahrheit entsprach.
Holmes entließ sie mit einem milden Tadel, dann wandte er sich an mich. „Ibbson, was fällt Ihnen auf? Die Karte ist öffentlich zugänglich, doch die Zerstörung ist nicht wahllos. Diese jungen Männer sind keine organisierten Aktivisten, sondern opportunistische Spaßvögel. Die Karte dient also weniger einer koordinierten Kampagne als vielmehr einer spielerischen Provokation.“
„Aber wer steckt hinter buster.ms?“, fragte ich. „Studenten? Aktivisten? Oder jemand, der einfach Chaos säen will?“
Holmes lächelte verschmitzt. „Das, mein lieber Ibbson, ist der Punkt, an dem das Rätsel amüsant wird. Folgen Sie mir.“
Wir kehrten ins Café zurück, wo Holmes seinen Laptop öffnete und die Webseite von buster.ms einer genaueren Untersuchung unterzog. „Die Domain ist anonym registriert“, murmelte er, „was wenig überrascht. Doch die Struktur der Karte – die Präzision der Koordinaten, die schlichte Eleganz der Seite – deutet auf jemanden mit technischem Geschick hin. Vielleicht ein Student der Informatik, der sich einen Spaß erlaubt. Sehen Sie hier“, er zeigte auf den Quellcode der Seite, „die Metadaten enthalten einen versteckten Kommentar: ‚Für die Kunst der Ironie.‘ Das ist ein Hinweis, Ibbson. Wir haben es mit einem Scherzbold zu tun, der die Absurdität politischer Kämpfe karikiert.“
„Also ein Studentenstreich?“, fragte ich.
„Höchstwahrscheinlich“, antwortete Holmes. „Die AfD sieht darin eine Verschwörung, ihre Gegner eine Einladung zur Sabotage, und doch ist es nichts weiter als ein ironischer Kommentar zur Polarisierung. Der Urheber, vermutlich ein Student oder eine kleine Gruppe, nutzt die Karte, um beide Seiten zu narren – die einen, indem sie ihre Paranoia füttert, die anderen, indem sie sie zu kindischen Streichen anstiftet. Ein brillanter, wenn auch etwas boshafter Scherz.“
Holmes lehnte sich zurück, sichtlich zufrieden. „Kein großes Verbrechen, Ibbson, aber ein herrliches Schauspiel menschlicher Torheit. Die AfD wird weiter klagen, die Plakate werden weiter verschwinden, und buster.ms wird für ein paar Wochen die lokale Legende bleiben. Doch am Ende“, er nahm einen Schluck Tee, „ist es nur ein Sturm im Wasserglas, angefacht von einer cleveren Idee. Den können wir Wilsberg überlassen.“
Und so verließen wir das Café, während Holmes leise vor sich hin schmunzelte, amüsiert von der kleinen Komödie, die sich in den Straßen Münsters abspielte.

